Zu den Subjektivierungsweisen von jungen Erwachsenen unter den Anforderungen mentaler Gesundheit

Forschungsergebnisse

Artikel #itsokaynottobeokay—Subjectivation processes of “mental health advocates” on Instagram. In: Spies, Tina; Budak-Kim, Hazal; Aktan, Oktay; Tuider, Elisabeth (Hg.): Diversity and Difference – Perspectives on Subjectivation. Wiesbaden: Springer VS. (i.E.).

Im Nachgang der Tagung „Diversity and Difference – Studies in Subjectivation“ (September 2023) habe ich mich in dem Artikel mit den Subjektpositionen von sogenannten ‚mental health advocates‘-Accounts auseinandergesetzt. Die Visuelle Kritische Diskursanalyse von Mental-Health-Accounts auf Instagram nimmt Subjektivierungsweisen psychisch erkrankter Subjekte in den Blick. Accountinhaber*innen positionieren sich selbst als therapeutische Subjekte im Spannungsfeld zwischen mental gesundem und erkranktem Subjekt. Therapeutische Normen von Autonomie und Selbstverantwortung strukturieren Subjektivierungsprozesse und deren (Nicht-)Intelligibilität. Ausgehend von der Selbstpositionierung als verletztes Subjekt wird argumentiert, wie die Darstellung von Verletzlichkeit als dekonstruierende Analysefolie dient und Unbestimmtheit von Subjektivierungsweisen in den Vordergrund rücken kann.

Vortrag #itsokkaynottobeokay – Subjektivierungen unter den Anrufungen mentaler Gesundheit zwischen Selbstoptimierung und Widerständigkeit

Im Rahmen der Tagung „Diversity and Difference – Studies in Subjectivation“ an der CAU Kiel vom 28 – 30.09.2023″ habe ich einen Vortrag zu den verschiedenen, pluralen und teils widersprüchlichen Subjektanrufungen unter mentaler Gesundheit gehalten. Der Vortrag bündelt erste Ergebnisse der Kritischen Diskursanalyse nach Siegfried und Margret Jäger von drei Instagram-Accounts mit Mental-Health/Self-Care-Content.

Es konnte aufgezeigt werden, dass Soziale Medien durch die Liberalisierung von Diskurszugängen und einen Wandel von Sprechendenpositionen Sicht- und Sagbarkeitsfelder und damit Subjektanrufungen prinzipiell umdeuten und erweitern können. Aber die diskursive Macht ist an Rezeption geknüpft: Posts, die häufig geliked, kommentiert oder geteilt werden, erlangen eine höhere Sichtbarkeit und werden in Timelines prominent platziert. So haben Influencer*innen Sprechendenpositionen inne, die in Sozialen Medien eine hohe Deutungsmacht vorweisen und den öffentlichen Diskurs mitgestalten. Auch im Umkehrschluss stehen die Praktiken in den digitalen Diskursräumen nicht außerhalb gesellschaftlicher Kontexte und prägen ihrerseits Mediendiskurse. Damit sind normative Narrative mentaler Gesundheit auch in den Sozialen Medien vorherrschend, die Positivität, Selbstverwirklichung und Autonomie in den Vordergrund stellen und ver_anderende und ver_anderte Praktiken marginalisieren. Mental Care als reproduktive, präventive und selbstoptimierende Praxis wird als private Angelegenheit ausgewiesen, die hegemoniale Machtverhältnisse stabilisiert. Die Anrufungen von Mental Care bringen Subjekte hervor, die durch permanente Selbstbearbeitung intelligible Subjektpositionen (wieder)einzunehmen suchen und die damit die Hierarchisierung des Subjektstatus entlang von mentaler Gesundheit als Leistungs- und Handlungsfähigkeit und Autonomie stabilisieren.